| Blick in die Zukunft |
|
Vorab: Bezeichnungen wie GigaLiner, EuroCombi oder auch Mega-Truck kann man einen gewissen Wohlklang nicht absprechen. Nichtsdestotrotz kennzeichnen sie überlange wie überschwere Lastkraftwagen. Exemplare dieser Gattung rumpeln selbst zu nachtschlafender Zeit über ansonsten idyllische Dorfstraßen und bringen die Anwohner um ihre wohlverdiente Ruhe zu eben dieser Tageszeit. Infolge der Unebenheiten des Bahnübergangs lässt die Querung der nahe liegende Eisenbahnstrecke den Lärmpegel noch einmal anschwellen. So, jetzt haben alle die frohe Kunde von der boomenden Wirtschaft nachhaltig vernommen. Gezielte Wirtschaftsförderung hat produzierendes Gewerbe auch in ländlichen Wachstumskernen zur Ansiedlung gebracht – mit erheblichem Transportbedarf. Umwegverkehre zur Vermeidung Maut-pflichtiger Strecken sorgen für zusätzliches Verkehrsaufkommen. Auch in der Landwirtschaft mehren sich die Transporte. Der Bedarf an Düngemitteln, der Zwang, aus Wettbewerbsgründen – Gruß an die globalisierten Märkte – die Erträge steigern zu müssen, wird nicht sinken. Aus den gleichen wirtschaftlichen Erwägungen heraus unterliegt das Netz der Fabriken, die die Feldfrüchte verarbeiten, einem Ausdünnungsprozess – nur noch wenige große, weit voneinander entfernte Anlagen verarbeiten z. B. Zuckerrüben. Entsprechend lange Wege sind von den Feldern her zurückzulegen. Raps ist heute nicht nur für die Lebens- und Futtermittelindustrie interessant, sondern auch zunehmend als nachwachsender Rohstoff – entsprechende Prozesse der Entfernungsüberwindung inbegriffen, schließlich muss beispielsweise der Biodiesel zu den Abnehmern bzw. für die Beimischung zu den Raffinerien gelangen. Die Forstwirtschaft darf in diesem Zusammenhang keinesfalls vergessen werden. Unwetter mit orkanartigen Stürmen sind – dem Klimawandel geschuldet – nicht seltener geworden. Ebenso wie die daraus resultierenden Waldschäden, die wiederum Holztransporte erheblichen Umfangs zur Folge haben.
Zurück zu dem erwähnten Schienenstrang. Der liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf, die Schienenköpfe sind von Rost überzogen, die Anlagen des örtlichen Bahnhofs hat die Natur zurückerobert. Ladestraße und -gleise präsentieren sich – zumindest im Frühjahr – als blühende Landschaften. Der Netzbetreiber hat schon vor Jahren keinen aktuellen Bedarf mehr ausgemacht und sich deshalb von seinen Betreiberpflichten entbinden lassen. Nur: der alternative Verkehrsweg, die Straße, ist für einen Verkehr mit 60-Tonnen-Lkws weder konzeptionell, zu Entstehungszeiten im vorletzten Jahrhundert dominierte das Pferdefuhrwerk, noch vom aktuellen Ausbauzustand her geeignet. Sollen diese Visionen Realität werden? Einverstanden mit der These, der straßengebundene Güterverkehr sei der einzige Motor des wirtschaftlichen Fortschritts? Ist der Lkw auch im ländlichen Raum wirklich immer die einzige Transportalternative? Wollen wir dem sofort erschallenden Ruf nach Ausbau des Straßennetzes folgen? Soll der Preis sinkender Lebensqualität durch diese Verkehrsform als zwangsläufig bezahlt werden? Nein. Die Eisenbahn ist und bleibt das – technisch und von Energieverbrauch und Ökobilanz her gesehen – leistungsfähigste über Land fahrende Transportmittel. Deshalb:
Eine Initiative der Eisenbahngesellschaft Potsdam im nordwestlichen Brandenburg. |