|
Um Missverständnissen vorzubeugen: Nachfolgend soll nicht den Milch- und sonstigen Lebensmitteltransporten per Bahn zur Versorgung ländlicher Regionen das Wort geredet werden. Es geht vielmehr um eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Arbeitsteilung zwischen beiden Verkehrsträgern. Die Eisenbahn entfaltet ihre Systemvorteile in vollem Umfang bei Massengütern, die über nicht geringe Distanzen zu transportieren sind. Der Lkw ist die perfekte Ergänzung im Zu- und Abbringerverkehr.
Ja, aber … So beginnt der übliche Einwand. Die Eisenbahnanlagen geben das doch gar nicht (mehr) her, überwiegend stillgelegt und abgebaut oder in einem katastrophalen Zustand mit hohen Kosten der Wiederinbetriebnahme befindlich.
Im Prinzip nicht völlig falsch. Es gibt aber noch Regionen in Deutschland, in denen schon vor Jahren mit unternehmerischem Weitblick die Entwidmung von Anlagen des Verkehrsmittels Eisenbahn verhindert worden ist, so dass jetzt diese Potentiale noch verfügbar sind.
Was benötigt ein erfolgreicher regionaler Schienengüterverkehr?
-
Ein regional verwurzeltes Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU), das
-
seine (potentiellen) Kunden und deren Bedürfnisse nicht nur vom Hörensagen kennt,
-
kurze Kommunikationswege mit persönlichen Kontakten gewährleisten kann und
-
motivierte Mitarbeiter, die häufig aus eben diesem Raum stammen, und technische Ressourcen vor Ort hat und auch deshalb entsprechend flexibel reagieren kann.
-
Ein Netzwerk von Kooperationen mit anderen Dienstleistern im Schienengütervekehr. Damit Transportketten entstehen können, bei denen jeder Partner seine spezifischen Stärken einbringen kann – beispielsweise die Aufgabenteilung zwischen „letzter Meile“ mit Diesellok und dem Weitstreckenverkehr mit elektrischer Traktion
-
Ein Schienennetz mit ausreichend dimensionierten Nebenanlagen, die
-
nicht deshalb „zurückgebaut“ werden, weil gerade jetzt keine Nachfrage besteht oder die visionäre Kraft fehlt, diese wahrzunehmen,
-
der vorgesehenen Nutzung gemäß in einem betriebssicheren Zustand gehalten werden – schließlich muss es bezüglich des Unterhaltungsstandards einen Unterschied geben, ob tagtäglich Zugverkehr im dreistelligen Geschwindigkeitsbereich abgewickelt wird oder wöchentlich Güterwagen zur Beladung in Schrittgeschwindigkeit bereitgestellt werden.
-
Ein Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen (EIU), das
-
sich selbst bei ungewöhnlichen Transportanfragen flexibel zeigt,
-
auch Entladungen auf freier Strecke nicht für grundsätzlich unmöglich hält,
-
notwendige Besetzungen von Betriebsstellen einfallsreich wie Kosten sparend löst und eben nicht mit schematisch ermittelten Mindestbesetzungszeiten und horrenden Stundensätzen solche Zugfahrten erschwert bzw. aus Kostengründen unmöglich macht,
-
sich auch der Aufgabe der Revitalisierung bereits stillgelegter Infrastruktur konstruktiv stellt.
-
Ein Umschlagsunternehmen, das straßenseitig agiert
-
durch Verfügbarkeit und Disposition eines ausreichenden Lkw-Fuhrparks für die direkte Belieferung des Kunden,
-
mit gleicher Flexibilität und Kreativität wie das EVU und EIU und
-
geleitet von Einsicht, dass Bahn und Lkw keine Konkurrenten, sondern Partner sind.
PDF-Download
|