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Güterverkehrsknoten Pritzwalk Drucken E-Mail
Montag, 22. Dezember 2008

350.000 Tonnen als großartiges Jahresergebnis 2008 – verhaltener Optimismus für 2009 trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Rund 350.000 Gütertonnen werden bis zum Jahresende den regionalen Eisenbahnknoten Pritzwalk auf der Schiene passiert haben. Unterstellt man, ein Lkw hätte durchschnittlich 25 Tonnen Fracht geladen, ergäben sich 14.000 (!) eingesparte Fahrten dieses Verkehrsmittels, das unter ökologischen Gesichtspunkten – beispielhaft zu erwähnen die Maßzahl „CO2-Ausstoß je transportierter Gütertonne“ – der Eisenbahn chancenlos unterlegen ist.

Maßgeblichen Anteil an diesem erfreulichen Ergebnis hat das fünfmal je Woche verkehrende Zugpaar, das die Tarifpunkte Liebenthal (Prign) – Leim und Stammholz im Eingang, hochwertige Holzerzeugnisse im Ausgang – und Wittstock (Dosse) – Stammholz im Ein- und Ausgang, Flüssiggas im Eingang – bedient. An zweiter Stelle ist die Abfuhr des in Falkenhagen (Prign) produzierten Biodiesels zu nennen. Es folgen Baustoffe, Düngemittel und Brennstoffe, die in der Anschlussbahn Falkenhagen Gewerbepark Prignitz von der Schiene auf die Straße umgeschlagen werden.

Aktuelle Situation biogener Kraftstoffe

Stichwort „Ökobilanz“ – wider alle Vernunft werden regenerative Energien ein weiteres Mal von der Politik abgestraft. Nicht nur, dass jeder Liter Pflanzenöl, der – wie bei der Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) – zu Traktionszwecken genutzt wird, mit weiteren drei Eurocent „Strafsteuer“ ab Jahresbeginn 2009 belegt wird. Erschwerend wird sich weiterhin bemerkbar machen, dass die so genannte Finanzkrise und deren Auswirkungen eine erhebliche sinkende Nachfrage nach Energie-Rohstoffen zur Folge haben. Fossiler Diesel ist derzeit so preiswert wie seit Jahren nicht mehr. Das freut neben dem Privatverbraucher natürlich auch straßengebundene Speditionen, die erheblich günstigere Transportpreise als noch vor einem halben Jahr anbieten können.

Auch der Schienentransport von Biodiesel, dem ökologisch sinnvolleren Rivalen des traditionellen Treibstoffs fossiler Art, leidet unter der momentanen Situation. Bei einem Preisunterschied von mehr als zehn Eurocent an den Tankstellen ist die Nachfrage drastisch eingebrochen. Diejenigen Biodiesel-Produzenten, die sich der Bedienung des Marktes der Beimischung zugewandt haben, verlangen unter dem aufgezeigten Preisdruck von „der Schiene“ verbesserte Transportkonditionen. Mitbewerber, die andere Märkte bedient haben, können momentan (noch) gar keine Eisenbahn-Transportverträge für 2009 abschließen.

Sperrung der Berlin-Hamburger Bahn

Zu diesen Ungunstfaktoren kommt dann noch die Herangehensweise eines großen deutschen Betreibers von Eisenbahn-Infrastruktur. Der hat – ganz in der Tradition der zu Recht viel gescholtenen Gutsherren des vorletzten Jahrhunderts – verfügt, dass der Abschnitt Nauen – Wittenberge der Berlin-Hamburger Bahn im Frühjahr 2009 für drei Monate komplett zu sperren sei, damit man „in aller Ruhe“ die Folgen der Verwendung fehlerhafter Betonschwellen bei der zweiten infrastrukturellen Ertüchtigung dieser Bahnlinie beseitigen könne. Da man der Prignitz durch infrastrukturelle Sünden der unverzeihlichen Art die traditionelle Anbindung via Neuruppin – Wittstock genommen hat – das (Prestige-)Projekt „Prignitz-Express“ lässt von Berlin lediglich noch Personenzüge als Triebwagen zu – verbleibt dem Nordwesten Brandenburgs als einzige Alternative für Transportbeziehungen von und nach Berlin die in Neustadt (Dosse) abzweigende Nebenbahn via Kyritz. Und genau die ist in einem traditionell aufkommensstarken Viertel des folgenden Jahres unerreichbar…

Nur konsequent ist es folglich, wenn sich Kunden und Transporteure Gedanken machen mussten, wie die Güterbeförderung in 2009 zweckmäßig organisiert werden könne. DB Schenker, (juristisch) unverändert die Railion Deutschland AG, hat die Schnittstelle zu ihrem Kooperationspartner EGP von Priort nach Wittenberge verlegt. Dort übernehmen aktuell zwei EGP-Dieselloks der BR 212 die für den Tarifpunkte Liebenthal (Prign) und Wittstock (Dosse) bestimmten Einzelwagen – und übergeben sie dort in der Gegenrichtung wieder an eine E-Lok eine E-Lok aus DB-Beständen. Planloks dieser Leistung sind unverändert die beiden 212, die seit rund vier Jahren als Ergebnis eigener Forschung und deshalb erfolgreich mit reinem Pflanzenöl zu Antriebszwecken betrieben worden. Die zuvor geschilderte Marktsituation bewirkt, dass 212 279 und 314 inzwischen wieder mit fossilem Diesel befüllt werden. Die gewählte Auslegung aller Aggregate gestattet es allerdings, sich sofort wieder der vernünftigeren Variante „Pflanzenöl“ zuzuwenden, wenn seitens der Bundesregierung die dazu notwendigen steuerlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden würden.

Wittenberge als neuer Lokstandort

Die erzwungene Verlegung des Lokstandorts von Priort nach Wittenberge bringt mit sich, dass Railion-Ganzzüge, die westlich von Berlin zum Traktionswechsel anstehen, seitens der EGP nicht mehr mit einem vertretbaren Aufwand erreicht werden können. Die bewährte Aufgabenteilung zwischen Weitstrecken-Traktionär und regionalem Güterverkehrsdienstleister gerät dadurch natürlich ins Wanken. Freuen wird das unter Preisgesichtspunkten natürlich ausschließlich den konkurrierenden Lkw… Und warum wird nun nicht einfach in der Elbestadt Wittenberge von E- auf Dieseltraktion umgespannt? Ganz einfach und deshalb betrüblich: die dazu notwendigen Voraussetzungen gleisseitiger Art hat der schon angesprochene Infrastrukturbetreiber bundesdeutscher Dimension beseitigen lassen, als er die Aufgabe als seine akzeptiert hatte, Ersatz für den Transrapid in Form der Schnellfahrstrecke Berlin - Hamburg zu bauen…

Der neue EGP-Lokstandort Wittenberge böte optimale Voraussetzungen, um das wöchentliche Containerzugpaar ((vgl. die Kunden- und Medieninfo vom 16. Juli 2007 und 1. September 2008) noch effizienter zu traktionieren – ja, wenn es diese Verbindung zwischen den Nordseehäfen und der Prignitz noch gäbe. Den Absatzproblemen außerhalb Europas geschuldet, haben IKE 50021/022 nach/von Liebenthal (Prign) den Status als Regelzug verloren und verkehren bis aus Weiteres nur noch bedarfsweise.

Biodieseltransporte per Bahn

Kommen wir zurück zu dem Thema „Biodiesel“. Angesichts des Preisverfalls, der der Branche erheblich zu schaffen macht und zu ersten Werksschließungen wie z. B. in Grimmen geführt hat, waren auch die Transportbeziehungen des Prignitzer Biodieselproduzenten EOP neu zu ordnen. Auch bei diesen Zügen wurde die Schnittstelle zwischen elektrischer Traktion und Dieseltraktion verlegt – teils erzwungen, weil Wustermark – wie oben ausgeführt – drei Monate nicht auf direktem Wege aus der Prignitz erreicht werden, teils dem Umstand geschuldet, dass die Transportprozesse unter Kostengesichtspunkten zu straffen waren.

Der Schienentransport von Biodiesel ab Sternberg (Meckl) endet für das Jahr 2008 voraussichtlich am 30. Dezember 2008. Damit verkehrten in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt rund 65 Ganzzüge, die mehr als 70.000 Tonnen Biodiesel geladen hatten. Der Biodiesel-Produzent, die ecoMotion GmbH, Rapsveredelung Mecklenburg, würde transportseitig nur zu gern die erfolgreiche Kooperation mit Railion und der EGP fortsetzen. Die aktuelle Marksituation steht dem noch entgegen. Zuversicht herrscht hier aber genauso wie an den anderen Stellen, wo ein bislang beispielloser erfolgreicher regionaler Schienengüterverkehr sich neunen Herausforderungen gegenübersieht, die er keinesfalls selbst verschuldet hat.

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